Silber und Bronze für Raphael Gertz
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Geschrieben von Kim Koltermann   
Montag, 17 Juli 2017
Deutsche Jugendmeisterschaften in München – Junioren-WM ohne Christian Wulff
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Die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften U 19 in München-Oberschleißheim verliefen für die Athleten der Friedrichstädter Rudergesellschaft sehr unterschiedlich. Während Raphael Gertz sich gleich über zwei Medaillen freuen und Laura Freund mit einem sechsten Platz zufrieden sein konnte, hielt das Wochenende für Christian Wulff vor allem Frust bereit. 
Raphael Gertz, im letzten Jahr Deutscher Jahrgangsmeister U17, war zunächst an der Seite von Ruderern aus Kappeln und Kiel im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann am Start. Nachdem die schleswig-holsteinische Mannschaft lange Zeit Platz vier und fünf belegte, konnte sie auf dem letzten Viertel der 2000 langen Strecke einen beeindruckenden Endspurt zeigen und sich noch auf den Bronzerang schieben. „Wir haben es echt spannend gemacht“, so Gertz, lange Zeit waren wir etwas zu zurückhaltend, „aber am Ende waren wir voll da und es hat knapp für eine Medaille gereicht.“
Gemeinsam mit dem Kappelner Ole Bachus sowie den Kielern Maximilian Melle und Niklas Habermann konnte sich Gertz dann über eine feierliche Siegerehrung und über die Bronzemedaille freuen. Im Achter war es ähnlich spannend, aber noch erfolgreicher. Ergänzt durch Ruderer aus Hamburg und Niedersachsen belegten die vier Schleswig-Holsteiner den zweiten Rang und durften auf der Olympiastrecke von 1972 die Silbermedaille entgegennehmen.
„Zwei Medaillen im ersten Jahr als A-Junior – damit bin ich natürlich sehr zufrieden“, so ein glücklicher Raphael Gertz, über den Trainer Lars Koltermann nur positive Worte findet: „Raphael hat eine vorbildliche Trainingseinstellung, eine gute Rudertechnik und auch eine große Leidensfähigkeit, die man in dieser Sportart ja braucht. Er hat sich seine Medaillen redlich verdient.“
Für Christian Wulff liefen die Meisterschaften wie auch die gesamte Saison nicht nach Wunsch. Zwar konnte er im Mai bei den Junioren-Europameisterschaften mit dem deutschen Achter Bronze gewinnen, der Traum von der Junioren-Weltmeisterschaft ist aber geplatzt. Zur grundsätzlichen Enttäuschung gesellt sich in Friedrichtstadt einmal mehr Unverständnis über den Umgang mit Sportlern seitens des Deutschen Ruderverbandes. 
Der Reihe nach: Physisch gehörten Wulff und sein Rostocker Partner Leon Münch zu den Besten in Deutschland, zeigten aber bei der Prüfungsregatta in Hamburg keine gute Leistung im Zweier und waren zunächst außen vor. Da sich aber der Deutsche Ruderverband offen hält, physisch starke Ruderer auch bei schwächeren Leistungen im Zweier zur Mannschaftsbildung einzuladen, sah es zunächst so aus, als gäbe es noch einmal eine Chance. Kurz nachdem Wulff tatsächlich zu seiner und der großen Freude seines Vereins eine Einladung zur Mannschaftsbildung erhielt, wurde er jedoch wieder ausgeladen. Begründung: Wulff und sein Zweierpartner sollten den letzten freien Platz nicht untereinander ausfahren.
Dieser Vorgang sorgte an der Treene für Unverständnis. „Ein 18-jähriger, der seinem Sport jahrelang alles untergeordnet hat, oft von der Schule befreit und von seinem Verein ehrenamtlich aufgebaut wurde, wird erst ein- und dann wieder ausgeladen“, so FRG-Vorsitzender Kim Koltermann, „das ist ein Vorgang, der selbst beim Deutschen Ruderverband, der schon lange bei Nominierungen und der Kommunikation mit Sportlern und Vereinen eine schlechte Figur abgibt, einen traurigen Höhepunkt markiert. Wir sind enttäuscht, daran ändert auch der Anruf von Bundestrainerin Bielig nichts, die Christian ihre Position erläuterte.“
Trainer Lars Koltermann ergänzt: „Wäre den Jungs einfach gesagt worden, dass es aufgrund der Zweierleistung nicht reicht, wäre alles ok gewesen, aber einen Nachwuchsruderer auf so eine Achterbahn zu schicken, ist eine sehr fragwürdige Vorgehensweise.“ So endet die Ruderlaufbahn Christian Wulffs, der nun eine Lehre in der Landwirtschaft beginnt, mit einer großen Enttäuschung.

Laura Freund schließlich belegte im Leichtgewichts-Doppelvierer der Juniorinnen A einen sechsten Rang und beendete so ihre erste Saison nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt zufriedenstellend. „Wir wussten vorher, dass es mit einer Medaille sehr knapp werden würde. Wir haben einfach alles riskiert und sind sehr offensiv losgefahren. Nachher haben die Kräfte aber nicht gereicht“, so Freund.
Letzte Aktualisierung ( Montag, 17 Juli 2017 )
 
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